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••  1. Mose 1 (Luther-Übersetzung von 1912)

1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
2 Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.

Die „Erde war wüst und leer“ müsste nach dem Hebräischen heißen: Die „Erde wurde wüst und leer ...“ Sie war es vermutlich am Anfang nicht. Das Wort „Tiefe“ in Vers 2 bezeichnet einen Abgrund, einen „Abyssos“. Bibelstellen wie Judas 1:6Auch die Engel, die ihr Fürstentum nicht bewahrten, sondern verließen ihre Behausung, hat er behalten zum Gericht des großen Tages mit ewigen Banden in der Finsternis., 2. Petr. 2:4Denn Gott hat die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern hat sie mit Ketten der Finsternis zur Hölle verstoßen und übergeben, dass sie zum Gericht behalten werden;, Eph. 6:12Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. u. a. legen folgendes Szenario nahe: Ein Engelfürst und viele Engel mit ihm haben gesündigt. Sie werden in Folge Teufel und Dämonen genannt. Wegen ihrer Sünde verbannt sie Gott in die „Finsternis“. Sie werden mit „Ketten der Finsternis“ gehalten bis zu ihrer Verurteilung am Jüngsten Gericht. Der physikalische Ort ihrer Verbannung ist vermutlich die Erde. Gott setzt den Menschen absichtsvoll in diese feindliche Umgebung und macht ihn abhängig von seinem Wort. Die Menschen, die im Bilde Gottes geschaffen sind, und die unsichtbare Welt, die auf ihr Gericht wartet, befinden sich am selben Ort der Finsternis und sind in Konflikt. Der Konflikt ist vergrößert für die, die durch den Glauben an Christus gerettet werden, siehe 1. Petr. 2:9Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; ..., Mark. 13:13Und ihr werdet gehasst sein von jedermann um meines Namens willen. Wer aber beharrt bis an das Ende, der wird selig.

3 Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht.

Dort, wo mit gutem Grund Finsternis herrscht, schafft Gott jetzt Licht und beginnt ein unermesslich gewaltiges und herrliches Demonstrationsobjekt seiner Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligkeit und Güte, das alle Wesen in Ewigkeit preisen werden, vgl. 1. Kor. 4:9Ich halte aber dafür, Gott habe uns Apostel für die Allergeringsten dargestellt, als dem Tode übergeben. Denn wir sind ein Schauspiel geworden der Welt und den Engeln und den Menschen., Hebr. 10:33... und zum Teil selbst durch Schmach und Trübsal ein Schauspiel wurdet, zum Teil Gemeinschaft hattet mit denen, welchen es also geht., Hesek. 28:17Und weil sich dein Herz erhebt, dass du so schön bist, und hast dich deine Klugheit lassen betrügen in deiner Pracht, darum will ich dich zu Boden stürzen und ein Schauspiel aus dir machen vor den Königen..

4 Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis
5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Das Sonnenlicht ist nicht gemeint, denn die Sonne wird erst am 4. Tag erschaffen. Es fehlen im Schöpfungsbericht Informationen, die erklären könnten, warum es sinnvoll war, schon vor der Erschaffung der Sonne Abend und Morgen zu benennen. Gott spricht kein gutes Urteil über die Erde, sondern nur über das Licht.

6 Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern.

Was hier als Feste oder Firmament bezeichnet wird, heißt im Urtext Ausdehnung.

7 Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah also.
8 Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag.

Das Volumen aller Meere beträgt 1,5 · 1018 Kubikmeter. Das sind 1,5 · 10 18 Tonnen Wasser. Der Wassserdampf der Atmosphäre summiert sich auf weniger als 0,001 % dieses Volumens. Es ist zweifelhaft, dass in Vers 7 die Abtrennung von weniger als 0,001 % des Meerwassers gemeint ist. Es muss so viel Wasser abgetrennt worden sein, dass eine Erwähnung gerechtfertigt ist. Vielleicht war es ja Wasser weit über der Troposphäre, die heute unser Wetter bestimmt. In den höheren Regionen wird es viel heißer, so dass dort vielleicht große Mengen Wasserdampf gebunden waren. Solch ein Wasserdampfgürtel hätte ein gleichförmig warmes Klima zur Folge gehabt und Schutz vor den schädlichen Anteilen der Sonnenstrahlung geboten. Vielleicht war solch ein Wasserdampfgürtel eine der Wasserquellen der Sintflut, denn ein 40 Tage dauernder globaler Regenfall, wie von der Sintflut berichtet, ist unter heutigen klimatischen Bedingungen nicht denkbar. Auffällig, und genau in solch einem Argumentationszusammenhang plausibel, ist, dass die in der Bibel genannten Lebensalter der Menschen vor der Sintflut sehr hoch sind und danach nicht mehr.

9 Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Örter, dass man das Trockene sehe. Und es geschah also.
10 Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war.
11 Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das sich besame, und fruchtbare Bäume, da ein jeglicher nach seiner Art Frucht trage und habe seinen eigenen Samen bei sich selbst auf Erden. Und es geschah also.
12 Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das sich besamte, ein jegliches nach seiner Art, und Bäume, die da Frucht trugen und ihren eigenen Samen bei sich selbst hatten, ein jeglicher nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.
13 Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag.

Die These, dass sich hinter einem Schöpfungstag in Wirklichkeit je eine Epoche verbirgt, scheitert u. a. daran, dass dann Pflanzen eine Epoche lang ohne Sonnenlicht hätten leben müssen.

14 Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre
15 und seien Lichter an der Feste des Himmels, dass sie scheinen auf Erden. Und es geschah also.
16 Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch Sterne.

Der Mond ist keine originäre Lichtquelle wie die Sonne, aber das hebräische Wort ma'owr, das in den Versen 14 bis 16 mit „Licht“ übersetzt ist, bedeutet ebenso „Lichthalter“.

17 Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde
18 und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, dass es gut war.
19 Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag.
20 Und Gott sprach: Es errege sich das Wasser mit webenden und lebendigen Tieren, und Gevögel fliege auf Erden unter der Feste des Himmels.
21 Und Gott schuf große Walfische und allerlei Getier, das da lebt und webt, davon das Wasser sich erregte, ein jegliches nach seiner Art, und allerlei gefiedertes Gevögel, ein jegliches nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.
22 Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer; und das Gefieder mehre sich auf Erden.
23 Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag.
24 Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendige Tiere, ein jegliches nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art. Und es geschah also.
25 Und Gott machte die Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art, und das Vieh nach seiner Art, und allerlei Gewürm auf Erden nach seiner Art. Und Gott sah, dass es gut war.

Das Wort „Art“, das Luther hier verwendet, wurde Jahrhunderte später für das Fach Biologie neu definiert: Es ist eine Gruppe von Individuen, die sich untereinander vermehrt. Der biblische Artbegriff hier mag anders gemeint sein als der aktuelle biologische.

26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.
27 Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.

Das hebräische Wort für „den Menschen“ ist adam. Gott schuf Adam sich selbst zum Bilde. Das Wort für „Mann“ ist im Hebräischen ein Adjektiv (Transliteration: zakar) und bedeutet: männlich. Der Stamm dieses Adjektivs ist ein Verb (ebenfalls: zakar) mit der Bedeutung: erinnern, anerkennen. Auch das Wort für „Frau“ in Vers 27 ist im Hebräischen ein Adjektiv (nqebah) und bedeutet: weiblich. Der Stamm dieses Adjektivs ist ein Verb (naqab) mit der Bedeutung: durchbohren, lästern, verfluchen.

Wenn der Mensch im Bilde Gottes geschaffen war, ihm ähnlich, dann war keine Neigung zu irgend einer Bosheit in ihm. Der Sündenfall aus Genesis 3 muss darum auf besonders raffinierte Weise herbeigeführt worden sein.

28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.
29 Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben allerlei Kraut, das sich besamt, auf der ganzen Erde und allerlei fruchtbare Bäume, die sich besamen, zu eurer Speise,

Diese Regelung bezieht sich auf die Zeit vor dem Sündenfall.

30 und allem Getier auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das da lebt auf Erden, dass sie allerlei grünes Kraut essen. Und es geschah also.
31 Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.

So ein hohes Lob („alles sehr gut“) scheint nicht angebracht für die jetzigen natürlichen Lebensbedingungen auf der Erde. Man muss darum berücksichtigen, dass die Bibel von einem Sündenfall nach der Schöpfung berichtet, durch den sich die Lebensbedingungen und die Physiologie der Geschöpfe verändert haben. Darüber hinaus müsste auch die Sintflut einige Zeit nach dem Sündenfall das Aussehen der Erde und ihr Klima sehr verändert haben.



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